Wissenschaftspreis 2017

Wissenschaftspreis der Stiftung Auge

Preisträgerin: Dr. rer. nat. Johanna Meyer (Bonn)

Jurymitglieder: 

Prof. Dr. Frank G. Holz (Bonn, Vorsitzender mit Stimmenthaltung)
Prof. Dr. Carsten Framme (Hannover)
Prof. Dr. Gerd Geerling (Düsseldorf)
Prof. Dr. Dr. h.c. Franz Grehn (Würzburg)
Prof. Dr. med. Thomas Kohnen (Frankfurt)
Prof. Dr. Berthold Seitz (Homburg/Saar)
PD Dr. Armin Wolf (München)

Laudatio:

Prof. Dr. med. Frank G. Holz, Juryvorsitzender
Der Wissenschaftspreis der Stiftung Auge 2017 wird vergeben an
Dr. rer. nat. Johanna Meyer
für die Arbeiten:

  1. Optical coherence tomography angiography (OCTA)
    Meyer JH*, Fang PP*, Krohne TU, Harmening WM, Holz FG, Schmitz-Valckenberg S:
    in rats. Ophthalmologe (2017); 114: 140-147 (*Geteilte Erstautorenschaft)
  1. In vivo Imaging of Fluorescent Probes Linked to Antibodies against Human and Rat Vascular Endothelial Growth Factor.
    Meyer JH, Cunea A, Welker P, Licha K, Sonntag-Bensch D, Wafula P, Dernedde J, Fimmer R, Holz FG, Schmitz-Valckenberg S
    Invest Opthalmol Vis Sci (2016); 57: 759-770
  1. In vivo imaging of a new indocyanine green micelle forulation in an animal model of laser-induced choroidal neovascularization.
    Meyer J, Cunea A, Sonntag-Bensch D, Welker P, Licha K, Holz FG, Schmitz-Valckenberg S:
    Invest Ophthalmo Vis Sci (2014); 55 (10): 6204-6212.
  1. In vivo imaging with a fundus camera in a rat model of laser-induced-choroidal neovascularization.
    Cunea A, Meyer J, Russmann C, Licha K, Welker P, Holz FG, Schmitz-Valckenberg S
    Ophthalmologica (2014); 231(2), 117-123.

Frau Meyer legt insgesamt 4 peer reviewed Originalarbeiten vor, die sich mit der in vivo-Bildgebung der Netzhaut und der Aderhaut in Tiermodellen beschäftigen. Innovative technologische Entwicklungen im Bereich des Retina Imaging ermöglichen die Visualisierung des hinteren Augenpols in vivo mit einer zunehmenden verbesserten Auflösung und höherem Kontrast. Mittels confokaler Scanning-Laser-Ophthalmoskopie und optischer Kohärenztomographie können retinale Strukturen nichtinvasiv und in vivo in Echtzeit dargestellt werden. Zudem ermöglicht die Bildgebung der OCT-Angiographie die nichtinvasive Detektion des retinalen und choroidalen Blutflusses ohne vorherige invasive Injektion eines Fluoreszenzfarbstoffes (Fluoreszein oder Indocyanin-Grün).

Eine Arbeit befasst sich mit dem systematischen Vergleich der in vivo-Bildgebung mittels OCT-A und konventioneller Fluoreszein-Angiographie im Ratten-Tiermodell. Hier zeigte sich eine deutlich verbesserte Auflösung und Darstellung der einzelnen Gefäßschichten der Netzhaut in der OCT-A gerade auch in Bezug auf die tieferen vaskulären Strukturen wie der tiefe vaskuläre Plexus der Netzhaut. Damit qualifiziert sich die nichtinvasive OCT-A als eine Alternative zur invasiven Fluoreszein- und ICG-Angiographie gerade bei der Darstellung auch angiogenetischer Prozesse der Netzhaut, was auch für experimentelle Untersuchungen von pharmakologischen Interventionen von Relevanz ist.

In einer weiteren Arbeit im Laser-induzierten CNV-Modell wurde ein Ansatz zur molekularen Bildgebung und Etablierung von spezifischen in vivo-Biomarkern bei neovaskulärer AMD untersucht. Tierexperimentell konnte durch die Fluoreszenz-Markierung von drei unterschiedlichen VEGF-Antikörpern mit ICG die topographische Verteilung der Konjugate in vivo in der Netzhaut der Versuchstiere untersucht werden, die sich insbesondere im Areal der Neovaskularisation anreicherten. Um die chemische Stabilität und Fluoreszenz zu erhöhen, wurde in einer Versuchsreihe ICG mit dem Mizellenbildner Kolliphor HS 15 zu ICG/HS 15 synthetisiert und die topographische Verteilung sowie die Fluoreszenzintensität im laser-induzierten CNV Tiermodell mit konventionellem ICG verglichen. Das neuformulierte ICG/HS 15 konnte in vivo und ex vivo im Bereich der retinalen Blutgefäße und der Laserherde beobachtet werden und wies insgesamt ein deutlicheres Fluoreszenzsignal als herkömmliches ICG auf. Hierdurch könnte die Diagnostik bei Patienten mit retinalen und choroidalen Erkrankungen – wie der AMD – verfeinert werden.

Zur detaillierten in vivo Visualisierung der Netz- und Aderhaut der Nagetiere wurden ferner in einer weiteren Versuchsreihe bei einer Funduskamera zusätzliche Linsen- und Filtersysteme eingebaut sowie das Hardware-binning in dem Kamerasystem zur verfeinerten Darstellung des posterioren Pols bei Mäusen und Ratten erprobt. Dabei konnten sehr präzise und kontrastreiche Aufnahmen der Netz- und Aderhaut der Versuchstiere erreicht werden.

Weitere Untersuchungen mit Tiermodellen im Bereich der in vivo Bildgebung durch innovative Kamerasysteme können zum grundlegenden Verständnis der Krankheitsmechanismen von retinalen und choroidalen Erkrankungen beitragen und der Evaluation neuer Behandlungsverfahren dienen. Gerade das Auge mit seinen einzigartigen optischen Eigenschaften und einfachem Zugang zu tief gelegenen anatomischen Strukturen stellt ein vielversprechendes Organ zu in vivo Visualisierung von molekularen Prozessen im Inneren des Körpers dar.

Frau Dr. Meyer ist zu den hochrangingen Publikationen mit grundlegenden und wegweisenden Beiträgen im Bereich der retinalen in vivo Bildgebung in Tiermodellen zu gratulieren.