Wissenschaftspreis 2014

Wissenschaftspreis der Stiftung Auge

Jurymitglieder
Prof. Dr. Frank G. Holz (Bonn/Vorsitzender)
Prof. Dr. Nicole Eter (Münster)
Prof. Dr. Dr. h.c. Franz Grehn (Würzburg)
Prof. Dr. Rudolf Guthoff (Rostock)
Prof. Dr. Berthold Seitz (Homburg/Saar)
Prof. Dr. Klaus-Peter Steuhl (Essen)

Der Wissenschaftspreis der Stiftung Auge 2014 wird vergeben an
Herrn Dr. Deniz Hos (Köln)

für die Arbeiten:
Hos, D., Koch, K.R., Bock, F., Grajewski, R.S., Dietlein T.S., Cursiefen, C., Heindl, L.M. (2013)
Short- and long-term corneal vascular effects of tafluprost eye drops.
Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol 251(8):1919-27

Hos, D., Koch, K.R., Bucher, F., Bock, F., Cursiefen, C., Heindl, L.M. (2013)
Serum eyedrops antagonize the anti(lymph)angiogenic effects of bevacizumab in vitro and in vivo
Invest Ophthalmol Vis Sci. 54(9):6133-42

Hos, D., Cursiefen, C. (2014)
Lymphatic Vessels in the Development of Tissue and Organ Rejection
Adv Anat Embryol Cell Biol. 214:119-41

Hos, D., Heindl, L.M., Bucher, F., Cursiefen, C. (2013)
Evidence of Donor Corneal Endothelial Cell Migration from Immune Reactions Occurring after Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty (DMEK)
Cornea Apr;33(4):331-4

Herr Hos legt mehrere hochkarätige Veröffentlichungen auf dem Gebiet der kornealen Angiogenese und der Transplantationsimmunologie vor. Dabei handelt es sich um drei Originalarbeiten und ein umfassendes Buchkapitel. Eine Arbeit befasst sich mit der Frage, inwieweit Prostaglandinanaloga Effekte auf Blutgefäße und Lymphgefäße unter Normalbedingungen wie auch unter inflammatorischen Konditionen besitzen. Dabei wurde gefunden, dass das Präparat Tafluprost weder Blut- noch lymphatische Endothelzellproliferationen beeinflusst. Dies spricht u.a. für einen sicheren klinischen Einsatz bezüglich des vaskulären Risikoprofils dieser Substanzklasse in der Glaukomtherapie.
Weiterhin wurden autologe Serumtropfen sowohl im Vergleich als auch in Kombination mit Bevacizumab-Augentropfen bezüglich der Effekte auf endotheliale korneale Zellproliferationen untersucht. Dabei wurde gefunden, dass autologe Serumtropfen keinen nennenswerten Effekt auf die korneale Gefäßprogression oder –regression besitzen, während Bevacizumab sowohl die Blut- als auch die Lymphgefäßprogression reduziert und deren Regression induziert. Die Kombination der Serumaugentropfen mit Bevacizumab schwächte die antiangiogene und antilymphangiogene Wirkung von alleine appliziertem Bevacizumab ab.
Dabei wurde kein Effekt auf inflammatorische Marker durch Bevacizumab beobachtet. Demgegenüber veränderten die Serumaugentropfen den proinflammatorischen und prolymphangiogenen Status der Hornhaut. Das Wissen um diese Effekte ist von relevanter Bedeutung bei der klinischen Anwendung sowohl von Serumaugentropfen als auch von Bevacizumab und deren Kombination.
Schließlich befasst sich eine Arbeit mit der Migration von Spenderendothelzellen nach DMEK. Die Beobachtung dieses Phänomens geht auf zwei klinische Fälle zurück, bei denen eine DMEK durchgeführt worden war. Hier wurde nach 18 bzw. 6 Monaten eine diffuse endotheliale Immunreaktion mit Präzipitaten sowohl auf dem Transplantat als auch im Bereich der peripheren Hornhaut, wo initial die Spender-Descemet’sche Membran entfernt wurde. Demgegenüber wurden in den äußersten Randbezirken, in denen noch eine residuale Descemet’sche Membran des Spenders vorlag, keine Präzipitate beobachtet. Alle Präzipitate zeigten eine Regression unter lokaler antiinflammatorischer Therapie. Diese erstmals in vivo gemachte Beobachtung belegt, dass eine Migration von Spenderhornhautendothel nach DMEK auftreten kann und dass in den Randbezirken „nackte Stroma“ zu füllen in der Lage ist.
Sowohl Herrn Dr. Hos als auch den Koautoren ist zu den hervorragenden Publikationen mit grundlegenden und wegweisenden Beiträgen im Bereich der kornealen Angio- und Lymphangiogenese sowie Transplantationsimmunologie zu gratulieren.